Nur mit Spezialsoftware ist man im Netz wirklich anonym unterwegs. Anhand der Verbindungsdaten ist fast jeder Internetnutzer leicht identifizierbar. Wir stellen die Werkzeuge Tor, JonDo, VPN und Web-Proxies mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen vor.

Grundlage aller Anonymiesierungsdienste ist die Verschleierung der IP-Adresse. Die IP-Adresse ist ein vom jeweiligen Internetanbieter vergebene eindeutiger Zahlencode. Ähnlich wie bei einer Telefonnummer ermöglicht erst die IP-Adresse die eindeutige Zuordnung verbundener Rechner. Wie der eigene Internetprovider können Webseiten die IP-Adressen der Besucher einfach protokollieren.

In Deutschland und einigen anderen Ländern müssen Internetprovider die Verbindungsdaten ein halbes Jahr lang aufbewahren. Auf diesem Weg werden beispielsweise Straftäter im Netz überführt. Die Verbindungsdaten können jedoch auch in die Hände von Datendieben oder geheime Überwachungsprogramme wie PRISM gelangen.

Tor

Tor verschleiert die IP-Adresse der Nutzer durch in Reihe geschaltetete Proxy-Server. Der Rechner daheim kommuniziert nur mit dem ersten Proxy-Server im Tor-Netzwerk. Von dort leitet der Dienst die Daten mit einer anderen IP-Adresse weiter. Für Webseiten im Netz ist die Identität des Seitenbesuchers anhand der IP-Adresse nicht ermittelbar. In unserem Artikel Anonym surfen: So funktioniert der Tor-Browser stellen wir die Software detailliert vor.

Installation

Der Name Tor steht für eine im Hintergrund arbeitende Software, welche auf Wunsch den kompletten Internetverkehr des Webbrowsers über das Tor-Netzwerk umleitet. Bedient wird Tor über eine grafische Oberfläche mit dem Namen Vidalia. Man kann Vidalia einzeln installieren oder alternativ mit dem so genannten Tor Browser Bundle.

Das Tor Browser Bundle installiert neben Vidalia eine auf Sicherheit optimierte Version von Mozilla Firefox. Ohne Spezialkenntnisse sollte man Vidalia nicht alleine nutzen. Das Tor Browser Bundle ist die erste Wahl.

Bedienung

In Tor genügt nach der Installation ein Mausklick, um sicher loszusurfen. Tor startet die Vidalia-Software, stellt automatisch eine Verbindung zum Tor-Netzwerk her und lädt dann die optimierte Tor-Version von Firefox.

Per Mausklick kann man in Vidalia die Verbindung zum Tor-Netzwerk trennen. Der Tor-Firefox funktioniert dann nicht mehr. Man kann den Tor-Browser mit Vidalia und eine normale Version von Firefox parallel betreiben und so nur bei Bedarf auf Tor zurückgreifen.

Neben der Tarnung der IP-Adresse sorgt der Tor-Browser mit optimierten Einstellungen und den Add-ons HTTPS-Everywhere und NoScript für zusätzliche Sicherheit. Statt Google kommen als sichere Suchmschine Startpage oder wahlweise Duckduckgo zum Einsatz. Über die Symbolleiste kann man die erweiterten Funktionen bedienen und einstellen.

Geschwindigkeit

Tor erlaubt halbwegs flüssiges Surfen im Netz. Bei großen Downloads, Video-Streaming oder Filesharing muss man mit Tor aber Abstriche machen. In unserem Download-Test erreichte der Browser einen mittleren Datendurchsatz von 240 KB pro Sekunde. Je nach übertragenen Daten und momentaner Auslastung des Tor-Netzwerks kann der Wert höher oder niedriger sein.

Sicherheitsfaktor

Hat man nicht gerade den Geheimdienst oder die Polizei auf den Fersen, ist Tor sehr sicher. Ein umfassender Sicherheitstest bei ip-check.info zeigt, wie gut Tor die tatsächliche ID verschleiert.

Ein theoretisches Sicherheitsrisiko besteht bei Tor jedoch im möglichen Abhören des Datenverkehrs der Proxy-Server. Tor arbeitet nach einer Art Filesharing-Prinzip mit freiwilligen Teilnehmern. In den Vidalia-Einstellungen kann man den eigenen Rechner als Proxy-Server für das Tor-Netz bereitstellen. Nur durch diese Aufteilung der Datenlast ist ein kostenloser Betrieb von Tor möglich.

Theoretisch ist es möglich, dass Abhörinstitutionen wie die NSA mit vielen Rechnern am Tor-Netzwerk aktiv teilnehmen, um Zugriff auf übertragene Daten zu bekommen. 2007 demonstrierte ein Hacker diese Anfälligkeit von Tor und erlangte mit nur fünf am Tor-Netz teilnehmenden Rechnern Zugriff auf sensible Zugangsdaten. Alle nicht via HTTPS/SSL übertragenen Daten sind besonders leicht abgreifbar. Doch auch die Entschlüsselung von SSL-Verbindungen ist technisch möglich.

JonDo

JonDo, auch als JAP oder Java Anonym Proxy bekannt, arbeitet wie Tor ebenfalls durch in Reihe geschaltetete Proxy-Server und verschleiert auf diesem Weg die persönliche IP-Adresse. Im Gegensatz zu Tor kommen von den Entwicklern mehrere definierte Proxy-Netzwerke zum Einsatz, aus denen der Anwender eines nach Ländern auswählen kann. Neben einem kostenlosen Zugang bietet JonDo auch ein Bezahlmodell für höhere Geschwindigkeit an.

Bild: anoym-surfen.de

Installation

Wie Tor setzt JonDo auf einen zwischen Browser und Internet platzierten IP-Wechsler. Nach der Installation des JonDo-Programms kann man mit beliebigen Browsern darauf zugreifen. Für erhöhte Sicherheit bietet JonDoFox ein optimiertes Profil für Firefox sowie den auf Firefox basierenden JonDo Browser an. Die korrekte Verbindung zwischen dem JonDo IP-Wechsler und Webbrowser stellt man manuell in den Proxy-Einstellungen des Browsers ein. Wir empfehlen den Einsatz mit dem JonDoBrowser.

Bedienung

Die JoDo-Proxysoftware und der JonDoBrowser müssen einzeln gestartet werden. In der Proxysoftware kann man unter verschiedenen Proxy-Netzen eines auswählen. Die im jeweiligen Netz genutzten Standorte werden durch Flaggen gekennzeichnet.

Mit dem Ein-Schalter startet man die Anonymisierung. Über den Bezahlen-Knopf kann man Datenpakte für schnellere Geschwindigkeit kaufen. Im Gegensatz zu Tor kann man JonDo auch abschalten und mit dem gleichen Browser ohne Anonymisierung surfen. Ein Parallelbetrieb mehrerer Browser ist nicht erforderlich.

Der JonDo Browser gleicht dem Tor Browser bei der Bedienung  bis ins Detail und ist ebenfalls eine angepasste Version von Firefox. Auch hier kommen Add-ons wie HTTPS-Everywhere und No Scripts zum Einsatz. Bei den voreingestellten Suchanbietern bietet JonDo Browser eine größere Auswahl als Tor. Neben Duckduckgo und Startpage finden sich auch ixquick und metager sowie mit Verschlüsselung arbeitende Profile für Wikipedia und Google.

Geschwindigkeit

JonDo limitiert die Geschwindigkeit im kostenlosen Betrieb auf 50 KB pro Sekunde. Das ist nur ein Fünftel von der Leistung von Tor. Flüssiges Surfen ist damit kaum möglich. Gegen Bezahlung kann man JonDo bei Bedarf aber auch mit über 600 KB pro Sekunde nutzen.

Sicherheitsfaktor

Das JonDo-Netzwerk arbeitet ausschließlich mit Proxy-Servern von zertifizierten Partnern. Eine Aufteilung der Datenlast auf viele Mitglieder wie bei Tor ist mit JonDo nicht möglich. Durch diesen Faktor ist JonDo zwar langsamer, aber auch sicherer. Nur durch Herausgabe der Verbindungsdaten durch alle vom Anwender genutzten Proxy-Betreiber ist eine Identifizierung theoretisch möglich. Ein Großteil der Partner verzichtet aber auf die Erfassung der Verbindungsdaten.

VPN

VPN steht für Virtual Private Network und ist vereinfacht gesagt eine geschützte direkte Netzwerkverbindung zweier Rechner über das Internet. Die Technik eignet sich neben dem geschützten Zugriff auf Unternehmensnetze auch zum anonymen Surfen. Dabei werden alle vom Anwender gesendeten und empfangenen Daten über einen so genannten SSL-VPN-Server verschlüsselt über andere Browser umgeleitet. Für Webseitenbetreiber ist die IP-Adresse des VPN-Servers die sichtbare Gegenstelle und nicht die tatsächliche IP-Adresse des Anwenders.

Anonymisierende VPN-Dienste setzen in der Regel auf kostenpflichtige Abonnements. Eine gute Übersicht verschiedener Dienstleister findet man bei der Webseite Best VPN Service.

Installation und Bedienung

VPN-Anbieter arbeiten wie Tor und JonDo mit einer eigenen Software oder leiten den Datenverkehr über einen direkt erreichbaren Proxy-Server um. Ein besonderer Browser ist dafür nicht erforderlich. Es ist jedoch möglich, die Browser von Tor und JonDo ausschließlich mit VPN-Diensten zu nutzen oder mit den Anonymisierungsnetzwerken zu koppeln.

Geschwindigkeit

VPN-Dienste leiten die Daten nicht über eine Vielzahl von Servern um und sind in der Regel sehr schnell. Mit einem entsprechenden Datentarif surft man fast genauso schnell wie gewohnt.

Sicherheitsfaktor

Durch statistische Analyse der zum VPN-Dienst übertragenen Pakete ist theoretisch eine ziemlich genaue Schätzung der angesurften Webseiten möglich. Ein wissenschaftlicher Artikel zu dem Thema gibt eine Treffgenauigkeit von bis zu 90% an. Zwar wird durch Verschlüsselung eine hohe Privatspähre gewährleistet. Anonymität können VPN-Dienste aber nur schlecht garantieren. Die JonDo-Betreiber raten vom Einsatz von VPN zur Anonymisierung ab.

Die Sicherheit hängt bei VPN-Diensten zusätzlich von der Vertrauenswürdigkeit der Anbieter ab. Der VPN-Dienst kann Verbindungsdaten sammeln und diese weitergeben. Oder die Server des Anbieters sind nicht ausreichend gesichert und werden unbemerkt überwacht.

Wer trotzdem auf VPN setzt, sollte als Sicherheitskriterium den Server-Standort der Firma berücksichtigen. Dienste in Ländern wie Deutschland oder der Schweiz sind sicher eine bessere Wahl als ein Anbieter aus den USA.

Web-Proxies

Neben den vorgestellten Diensten werben auch Web-Proxies mit Anonymität. Statt in die Adresszeile des Browsers ruft man Webseiten über ein Eingabefeld des Web-Proxy auf. Der Web-Proxy stellt die Inhalte auf der eigenen Seite dar. Der VPN-Anbieter Hide My Ass bietet einen derartigen Web-Proxy an.

Sicherheitsfaktor

Laut Testergebnissen mit ip-check.info sind Web-Proxies als Anonymisierungsdienste unbrauchbar. Insbesondere mit Hilfe von Javascript kann die IP-Adresse in den meisten Fällen leicht ermittelt werden. In manchen Diensten kann man Javascript zwar deaktivieren. Dadurch werden viele Webseiten allerdings unbrauchbar. Auf den Webseiten von JonDo findet man einen Vergleich mehrerer Anbieter.

Bild: anoym-surfen.de

Fazit

Für sicheres anonymes Surfen kommt nur JonDo wirklich in Betracht. Tor ist etwas schneller und theoretisch auch anonym. Die Gefahr einer großangelegten Überwachung von Tor durch Geheimdienste sollte nach den PRISM-Enthüllungen aber nicht unterschätzt werden. VPN-Dienste sichern nur die Privatsphäre zuverlässig, für anonymes Surfen sind die Anbieter kaum empfehlenswert. Web-Proxies sollte man schlicht meiden!

Downloads

Tor Browser Bundle für Windows

Tor Browser Bundle für Mac

JonDo für Windows

JonDo für Mac/Linux

JonDoBrowser für Windows

JonDoBrowser für Mac/Linux

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Anonym surfen: So funktioniert der Tor-Browser

Kommentare

  • amandaash |
    07/08/15
    amandaash

    This is quite good article.

  • amandaash |
    07/08/15
    amandaash

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23/07/16
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