Mit wem habe ich wann gesprochen? Networking-App will Visitenkarte ersetzen

Eine neue App aus München schickt sich an, die Visitenkarte zu ersetzen und den Austausch von Kontaktinformationen ein für alle mal zu digitalisieren. Die kostenlose App MoID für Android und iOS funktioniert aber nicht nur in der Geschäftswelt, sondern auch als gläserner Schuh für den den Flirt von gestern Nacht.

Was ist MoID und wie funktioniert die App?

Die MoID-Entwickler Dennis Pagano und Philip Bellé erklärten die App im Gespräch mit Softonic wie folgt: MoID will den Austausch von Kontaktdaten nach einem Gespräch unnötig machen. Einmal installiert, merkt sich MoID, wo sich der Nutzer aufgehalten hat. Das Bewegungsprofil des Nutzers wird anschließend analysiert. Ist man vielleicht irgendwo ungewöhnlich lange stehen geblieben und hat sich möglicherweise mit jemandem unterhalten? Diese Ereignisse vergleicht die App mit anderen Profilen und schlägt dem MoID-Nutzer auf dieser Datenbasis mögliche Gesprächspartner vor.

Mit der App muss man sich auf einer Konferenz keine Gedanken über Visitenkarten machen.

– MoID CTO Dennis Pagano

Die Macher von MoID bezeichnen das als die effizienteste Art, Kontakte zu knüpfen – und liegen mit dieser Einschätzung nicht ganz falsch. Sollte MoID erst einmal auf genügend Smartphones installiert sein, sammelt die App automatisch alle Treffen mit anderen MoID-Nutzern und sortiert diese in einer intelligenten Liste. Selbst Tage später soll man dann die App öffnen können, um Gesprächspartner wiederzufinden.

Im Zentrum stehen soziale Netzwerke. MoID ist nur der Mittelsmann.

Ein Foto, ein Name und die Firma sollen dem Gedächtnis helfen

Wie hieß noch einmal der Barista, mit dem ich mich vor drei Tagen im Starbucks über ein eigenes Café unterhalten habe? MoID weiß es, solange auch mein Gesprächspartner MoID installiert hat. Bei der Wiedererkennung helfen ein Foto, ein Name und die Firma, in der man beschäftigt ist. Weitere Informationen verrät die App erst, wenn auch die andere Person bestätigt hat, dass man sich unterhalten hat.

MoID richtet sich vor allem an Geschäftsleute und ist der perfekte Begleiter für Messen, Konferenzen oder den typischen Geschäftsalltag. MoID ist dabei eines von diesen Start-Ups, bei denen die Idee von Anfang an begeistert. Doch wie bei vielen Ideen steht steht und fällt der Gedankenblitz mit dem dahinter stehenden Problem.

Im Gespräch mit Softonic: CTO Dennis Pagano und CEO Philip Bellé.

Die entscheidende Frage ist, ob MoID wirklich ein bestehendes Problem löst oder nur ein Problem schafft, um sein Produkt zu verkaufen.

Produktchef Dennis Pagano erklärt den Vorteil seines Produktes wie folgt: “Damit MoID funktioniert muss der Nutzer nicht mit der App interagieren.” Kein lästiger Austausch von Visitenkarten ist nötig, keine auf eine Serviette gekritzelte E-Mail-Adresse. MoID funktioniert, weil es bequem ist. Der Zauber stecke hinter der Technologie von MoID und nicht in der App selbst. Diese, so Pagano, sei nur eine Oberfläche für einen ausgefeilten Algorithmus, den man bereits seit Ende 2011 entwickle.

Wir wollen den Erstkontakt herstellen und kein zweites Facebook sein.

Die sechs Gründer aus München stehen wie jedes Netzwerk-Produkt vor einer großen Hürde: Erst wenn sehr viele Nutzer die App auf ihrem Smartphone installiert haben, bietet ein Netzwerk auch einen Nutzen. Erreichen will MoID das durch zwei Ideen: MoID bleibt kostenfrei und MoID will kein soziales Netzwerk sein.

MoID will Facebook weder ersetzen noch in Konkurrenz zum Weltmarktführer treten. Die App möchte einen Extra-Service bieten und knüpft mit diesem an Netzwerke wie Facebook, LinkedIn oder Xing an.

“Wir sind uns nicht einmal sicher ob wir einen Nachrichtendienst wie WhatsApp oder Facebook Messenger einbauen wollen”, sagt Pagano. Im Vordergrund der App stehe, Menschen zu verbinden. Ein Konzept, dass nicht nur in der Geschäftswelt funktioniert.

Wir wollen keine Dating-App sein.

– MoID CEO Phillip Bellé

Denn auch den Flirt in der Bar von gestern Nacht registriert MoID als Gespräch. Die App fungiert anschließend als Cinderellas gläserner Schuh: Selbst wenn man am nächsten Morgen nicht mehr weiß, wer die blonde Prinzessin war, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass MoID es weiß.

Doch dieses Konzept steht bei MoID nicht im Vordergrund. “Wir wollen keine Dating-App sein”, betonte CEO Phillip Bellé. “Wir sind angetreten um Leute zu verbinden, aber auf professionelle Weise.” Dass der eine oder andere private Zweck hinzu kommt, ist den Entwicklern dabei durchaus klar. In eine Ecke möchte man sich dennoch nicht drängen lassen, hält sich für den Fall der Fälle aber die Tür für ein Spin-off offen.

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