Vorschau auf Final Fantasy XIV: Prächtiges Multiplattform-Rollenspiel

Die Fantasy-Welt von Eorzea ist in Aufruhr: Fünf Jahre nach der letzten Schlacht braut sich in Final Fantasy XIV: A Realm Reborn neues Unheil zusammen. Dem Spieler kommt für die bevorstehenden Ereignisse eine Schlüsselrolle zu. Zum Glück kann sich der Held mit Freunden verbünden, mit denen man in dem Massively Multiplayer Online Role Playing Game gemeinsam Abenteuer erlebt. Final Fantasy XIV verbindet PC- und Playstation-3-Spieler. Das ist mein erster Eindruck von den Beta-Versionen beider Plattformen.

Final Fantasy 14 betritt als Online-Rollenspiel alter Schule ein hart umkämpftes Terrain. Die meisten Massively Multiplayer Online Role Playing Games (MMORPG) sind inzwischen kostenlos (Free-to-Play). Wie World of Warcraft oder Vorgänger Final Fantasy XI setzt Final Fantasy XIV dagegen auf monatlich zahlende Spieler und damit auf Bestandskunden, die möglichst lange bei der Stange bleiben. Eine Besonderheit des Spiels besteht darin, dass sich PC- und Playstation-3-Spieler (PS3) dieselben Server teilen. 2014 soll obendrein ein Client für die Konsole Playstation 4 folgen.

Wer über beide Systeme verfügt und von PC und PS3 auf seinen Account zugreifen möchte, muss allerdings aufpassen, wie meine Erfahrung zeigte. Die für unsere Bürozeiten ungünstig angesetzte Beta von Freitag bis Sonntag Morgen machte einen Test vom Büro-PC und einer privaten PS3 erforderlich. Loggte ich mich von unterschiedlichen Standorten in das Spiel ein, wurde mein Account gesperrt. Daran muss der Hersteller noch feilen, um den systemübergreifenden und standortunabhängigen Zugriff auf einen Account zu ermöglichen.

Völlig neu ist Final Fantasy XIV nicht. Die erste Version hat schon einige Jährchen auf dem Buckel und Veteranen dürfen ihre alten Charaktere auf sogenannte Legacy-Server übernehmen. Bogenschützen werden sich über eine Neuerung besonders freuen: Pfeile kosten nicht länger Geld, weshalb sie beim Import aus dem Inventar verschwinden.

Final Fantasy XIX - Archer

Charakter und Klasse wählen und den Krieger individualisieren

Der Beginn von Final Fantasy XIV gleicht jedem anderen Rollenspiel: Man legt seine Spielfigur fest und gestaltet sie nach dem persönlichen Geschmack. Die Konfigurationsmöglichkeiten sind auf den ersten Blick schier endlos: Man kann Größe, Haar- und Make-Up-Farbe, Statur, Grübchen, Narben und unzählige weitere Details festlegen. Ungeachtet dieser Fülle an Optionen erscheinen die Figuren derselben Rassen im Spiel sehr ähnlich. Eine persönliche Note erreicht man eher durch die Bekleidung als die durch die Charaktererstellung.

Final Fantasy XIX - Charaktererstellung

In der Beta von Final Fantasy XIV kann man aus den sieben Klassen Gladiator, Faustkämpfer, Marodeur, Pikenier, Waldläufer, Druide oder Thaumaturg wählen. Während des Spielverlaufs erlernt man obendrein eines oder mehrere Handwerke. Das ist praktisch, um eigene Rüstungen zu fertigen, Ringe zu schmieden oder dem Bergbau zu frönen.

Die Wahl der Klasse bestimmt auch das Startgebiet: Die einem Piratenverschlag ähnelnde Inselkette um Limsa Lominsa steht anfangs ausschließlich den mit Äxten bewaffneten Marodeuren offen. Gladiatoren, Faustkämpfer und die auf Schwarzmagie spezialisierten Thaumaturgen teilen sich Ul’dah, eine von Reichtum geprägte Handelsstadt inmitten der Wüste. Die mit Speeren ausgerüsteten Pikeniere, auf Bögen spezialisierten Waldläufer und auf heildene Weißmagie ausgelegten Druiden beginnen ihr Abenteuer im Finsterwald rund um die Stadt Gridania.

Klassenwahl ist keine Klassenqual: alle sind lernbar!

Auch in Final Fantasy XIV beginnt man zunächst mit einer Hauptklasse. Im Gegensatz zu den meisten anderen Rollenspielen ist man an seine Klasse nicht auf Dauer gebunden. Sobald man die Grundausbildung seiner Hauptklasse beendet hat, kann man frei wählen. Das ist so leicht wie das Wechseln der Klamotten: Der Speer weicht dem Stab und schon geht die Ausbildung als Druide oder Kampfmagier los. Verschiedene Spielfiguren für unterschiedliche Klassen zu erstellen erübrigt sich.

Final Fantasy XIX - Klassenwechsel

Um den Überblick zu behalten, lassen sich für den Klassenwechsel Profile anlegen. Auf Knopfdruck schlüpft man vom Druiden in die Rolle des Axtkämpfers und hat sofort sämtliche Rüstungsteile, Ringe und Waffen angelegt. Das funktioniert in der offenen Spielwelt mit nur wenigen Einschränkungen. Beispielsweise muss man sich vor Instanzen für die gewünschte Klasse entscheiden. Der unkomplizierte Wechsel ist nicht auf die Kampffertigkeiten beschränkt, sondern gilt genauso für erlernte Berufe.

Offene Spielwelt

Die Startpunkte sind ein friedliches Zentrum, in dem sich der Spieler gefahrlos mit Final Fantasy XIV vertraut macht. In den Städten erledigt man erste einfache Botengänge, lernt den Gebrauch von Inventar, das Einsammeln von Gegenständen oder die Funktionsweise von Kommandoleisten für Zaubersprüche oder Attacken.

Außerhalb der Städte warten in den offenen Gebieten feindselige Kreaturen auf die unerfahrenen Helden. Je weiter die Gebiete vom Zentrum entfernt sind, desto stärker sind die Feinde. Passiert man die Grenzgebiete, kann man zwischen Ul’dah und Gridania reisen. Um Limsa Lominsa zu erreichen, muss man im Verlauf der Haupthandlung ein Transportmittel wie die Zeppelin-artigen Luftschiffe freischalten.

Der Umfang der Spielwelt ist in der Beta-Version beschränkt und lässt sich noch nicht einschätzen.

Final Fantasy XIX: Luftschiff

Schnellreise für riesige Entfernungen

Die Ätheryt genannten blauen Kristalle ermöglichen einen Schnelltransport per Teleportation. Innerhalb der Städte sind Teleportationen kostenlos. Ansonsten muss man eine von der Entfernung abhängige Gebühr entrichten.

Final Fantasy XIX - Ätheryt

Mittlere Distanzen legt man rasch zurück, indem man sich ein Reittier nimmt. Linien-Chocobos verkehren als Transportsystem zwischen verschiedenen Punkten. Außerdem kann man sich ein Tier für eine begrenzte Dauer mieten. Im späteren Verlauf von Final Fantasy XIV soll es auch möglich sein, eigene Chocobos zu besitzen.

Final Fantasy XIX: Chocobo

Einsam oder gemeinsam Abenteuer bestreiten

Zu Beginn von Final Fantasy XIV ist man gut beschäftigt, die vielen kleinen Botengänge und einfachen Aufträge allein auszuführen. Später ist man dagegen auf Mitspieler angewiesen. Freunde findet man über deren Spielnamen. Das ist für Playstation-Spieler ungünstig: Eine Suche nach den Playstation-Namen ist nicht vorgesehen. Auch ein Blick auf die eigene Freundesliste von Final Fantasy XIV zeigt die Playstation-IDs in der getesteten Beta-Version nicht an.

Über die Freundesliste sieht man, wer online ist, wo sich die Freunde aufhalten, welche Fähigkeit sie gerade spielen und wie hoch ihr Level ist. Anhand dieser Informationen stellt man bequem eine Gruppe für eine schwierige Aufgabe zusammen. Allerdings kann man sich nicht auf Knopfdruck an den Ort der Freunde teleportieren. Deshalb dauert es mitunter etwas, bis die Gruppe einsatzbereit ist. Alternativ kann man auch fremde Spieler untersuchen und ihnen eine Gruppen- oder Freundschaftseinladung zustellen. Ein spielinternes Übersetzungsprogramm hilft notdürftig bei Verständigungsproblemen.

Final Fantasy XIX - Emotes

Über eine lange Liste von Emotes kann man anderen Spielern gegenüber seine Stimmungslage mitteilen: in Jubel ausbrechen, Verzweiflung zeigen oder seiner Empörung Ausdruck verleihen. Die zugehörigen Animationen sind durchweg gelungen.

Die künstlichen Gefühlsbekundungen sind erforderlich, denn die Beta von Final Fantasy XIV unterstützt das direkte Gespräch von Spielern per Voice-Chat nicht. Das erschwert die Koordination mit Gefährten in schwierigen Kämpfen. Texteingaben sind im Kampf zu langsam, so dass man auf Skype, Teamspeak oder ähnliche Gesprächsprotokolle ausweichen muss. Obendrein stürzte die PS3 bei der Eingabe von Umlauten regelmäßig ab – ein Beta-Bug, an dem die Entwickler bereits arbeiten.

Kämpfe: Echtzeit, farbenfroh und etwas chaotisch

Kämpfe laufen in Final Fantasy XIV A Realm Reborn in Echtzeit ab. Man markiert das Ziel und löst eine Angriffs-Aktion aus. Angriffe haben eine Abklingzeit, während derer man auf andere Attacken zurückgreifen muss. Druiden können obendrein die Gruppe heilen oder mit Stärkungszaubern versorgen. Die Effekte zeigt Final Fantasy XIV auf dem Bildschirm an, ebenso die Restzeit ihrer Wirkung.

Anfangs bekämpft man einige versprengte kleine Feinde wie Moskitos, Kakteen oder Marinenkäfer. Später misst man sich mit riesigen Schildkröten, oder verdrischt baumartige Wesen in Anlehnung an Treanten aus Herr der Ringe. Mal kämpft der Spieler gegen Gruppen von Feinden, mal gegen einzelne starke Gegner. Oft kommt man allein zurecht – anfangs fast zu oft, weshalb sich das Gefühl eines Online-Rollenspiels zunächst nicht einstellen will.

Final Fantasy XIX - Kämpfe

Großereignisse wie Fates locken eine Vielzahl von Spielern an. Innerhalb vorgegebener Zeit muss man eine Aufgabe erledigen – meist so viele Feinde wie möglich töten. Am Ende der Mission verteilt das Spiel Erfahrungspunkte und Geld. Je höher der eigene Spielbeitrag ausfällt, desto höher ist auch die Belohnung.

Darüber hinaus können Spieler Freibriefe annehmen. Diese Quests wenden sich an Einzelspieler und bringen besonders viel Erfahrung sowie einige nützliche Gegenstände. Jeden Tag erhält man nur eine begrenzte Zahl an Freibriefen. Dasselbe gilt für Gilden-Quests, für die man allerdings mehrere Mitspieler braucht.

In größeren Getümmeln fällt es oft schwer, den nächsten Gegner auszuwählen. Das gilt besonders für Spieler mit Gamepad, das für PS3 und PC gleichermaßen unterstützt wird. In der Beta-Version von Final Fantasy XIV hat es sich bewährt, im Kampf auf die Maus auszuweichen und Feinde direkt anzuklicken. Das ist auch mit der PS3 möglich: Mäuse werden komplett unterstützt, auch kabellose Bluetooth-Modelle.

Einige Hilfsmittel erleichtern das Leben der Spieler: Aktiviert man automatisches Laufen, bewegt sich die Figur in die eingeschlagene Richtung fort, so dass man nur noch die Richtung korrigieren muss. Noch weiter geht die Verfolger-Funktion, mit deren Hilfe man anderen Personen auf Schritt und Tritt folgt, ohne Tastatur, Maus oder Gamepad zu benutzen. Die Verfolgungsjagd endet jäh am nächsten Zaun oder Stein, woran der Verfolger hängen bleibt.

Final Fantasy XIX: Riesenschildkröte

Auf Wunsch spielt man Final Fantasy XIV in der rollenspiel-typischen Sicht über die Schulter oder aus dem Blickwinkel der Spielfigur im Stil eines Ego-Shooters.

Fantastisch fantasievolle Grafik

Online-Rollenspiele müssen viele Personen, Monster und Umgebungsdetails gleichzeitig verarbeiten. Aus diesem Grund ist die Darstellungsqualität gegenüber reinen Offlinespielen oder Online-Rollenspielen mit begrenzter Teilnehmerzahl oft eingeschränkt. Das gilt auch für Final Fantasy XIV, allerdings auf durchaus gehobenem Niveau. Leichte Abstriche müssen PS3-Spieler hinnehmen, was sich in Form geglätteter Details und der Zahl der angezeigten Objekte niederschlägt.

Final Fantasy XIX: Umgebung

Die Figuren weisen viele Details auf, etwa gefärbte Haarsträhnen, filigrane Ausrüstung, Narben und Waffendetails. Die Orte und Landschaften tragen ihre eigene Handschrift: Ul’dah wirkt mit seinen gemauerten Gebäuden, gut gefüllten Marktständen wie eine reiche Mittelalterstadt, während Limsa Lominsa das Flair eines Piratennests versprüht.

Weniger überzeugen die Bodentexturen der Umgebungen um die Stadtzentren. Sie wirken strukturlos und flach. Besonders gilt das für Flüsse und Wasserfälle, die regelrecht kantig wirken und den guten Gesamteindruck trüben.

Hübsche Tag-Nacht-Wechsel gehören ebenso zu Final Fantasy XIV wie wechselnde Wetterbedingungen. Die Weitsicht ist ordentlich, nur manchmal erscheinen entfernte Objekte etwas ruckartig auf dem Bildschirm. Kämpfe zeichnen sich durch farbenfrohe Effekte aus, die mitunter den Bildschirm beherrschen und besonders in großen Feindgruppen eine Orientierung erschweren.

Final Fantasy XIX - Fates

Die zur Umgebung abgestimmte Musik gefällt zwar, ist aber andererseits von jener Eigenart, die man sich rasch satt hört. Es ist davon auszugehen, dass viele Spieler die Musik bei einem lange währenden Spiel wie Final Fantasy XIV früher oder später abschalten werden. Schade nur, dass man stattdessen seine eigene Musik zumindest in der Beta-Version nicht einbinden kann.

Eine durchgehende Synchronisation oder Vertonung der Dialoge fehlt der Beta-Version noch.

Benutzeroberfläche

Die Schrift ist Euch zu klein? Das Chatfenster soll auf die rechte Seite wandern? Final Fantasy XIV ermöglicht viele Anpassungen bei der Benutzeroberfläche. Befehlleisten und Fenster lassen sich verschieben und nach Herzenlust neu positionieren. Auch häufig benutzte Befehle kann man Tastenkombinationen zuweisen oder Makros definieren.

Final Fantasy XIX - Benutzeroberfläche anpassen

Fazit: Rollenspiel mit riesiger Welt und toller Charakterentfaltung

Es fällt leicht, an Final Fantasy XIV seine Freude zu haben. Das liegt an einem wichtigen Detail: Man ist nie festgelegt auf eine Klasse, einen Job. Jederzeit wechseln zu können, viele Dinge ausprobieren zu können und dabei keine neuen Figuren schaffen zu müssen – aus diesem Alleinstellungsmerkmal von Final Fantasy XIV entwickelt sich ein unglaublicher Reiz und eine Nähe zu seinem eigenen virtuellen Charakter.

Die abwechslungsreichen Kulissen tragen mit den detailfreudigen Figuren zu einer Wohlfühl-Atmosphäre bei, der man sich kaum entziehen kann. Auch die abwechslungsreichen Quests sprechen für gute Unterhaltung. Ob sie auch nach dutzenden Spielstunden noch für Abwechslung sorgen, bleibt bis zur Vollversion abzuwarten.

Der positive erste Eindruck ist getrübt von einem fehlenden Gemeinschaftsgefühl in der Anfangsphase des Spiels, unterstützt von einem fehlenden Voice-Chat. Mitspieler können sich kaum unterstützen oder werden gar zum Hindernis, wenn man eine Instanz der Rahmenhandlung nur allein betreten kann. Das ändert sich, wenn Aufgaben Gruppen voraussetzen. Ob die Spielbalance zwischen den Klassen stimmt, muss ein Blick auf das fertige Spiel zeigen.

Allerdings ist Final Fantasy XIV kein preiswertes Vergnügen: Zusätzlich zum Kauf der Vollversion kommen monatlich mindestens 10,99 Euro Abogebühr hinzu.

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