Windows 8: Top oder Flop?

Windows 8 – das neue Betriebssystem von Microsoft erhitzt die Gemüter, auch bei uns in der Redaktion. Neue Oberfläche, neues Bedienkonzept, und vor allem: Kein Startknopf!

Ist Windows 8 tatsächlich besser? Welche Vor- und Nachteile bringt die neue Oberfläche? Lohnt sich der Umstieg oder nicht? Wolfgang und Jan-Hendrik sind in unserem Streitgespräch äußerst unterschiedlicher Meinung.

Neuer Desktop

Wolfgang: Windows 8 kommt mit einer komplett überarbeiteten Oberfläche daher – um genau zu sein, mit zwei Oberflächen.

Die mit Modern UI bekannte Oberfläche ist mit ihren großen Kacheln perfekt für die Bedienung mit dem Finger ausgelegt. Diese Oberfläche passe ich komplett an meine Bedürfnisse an. Alle Funktionen für den täglichen Gebrauch wie E-Mail, Musik, Internet-Browser und  Social Media kann ich hier sofort und schnell starten.

Dann natürlich die bekannte Windows-Oberfläche, die mir alle Vorteile eines Desktop-PCs bietet. Im Vergleich zu Windows 7 muss ich mich nicht umstellen, Ressourcen hungrige Programme wie Photoshop oder Office-Anwendungen nutze ich hier. Und ja, der Startknopf wurde abgeschafft. Kann ich zwar nicht verstehen, mich aber daran gewöhnen.

Jan-Hendrik: Die neue Windows-8-Oberfläche unterscheidet sich komplett von dem bekannten Windows-Design. Warum soll ich meinen Computer plötzlich wie ein Handy bedienen? Warum muss ich mir Fingergesten einprägen?

Gut, dass Windows an Gewohnheitstiere wie mich gedacht hat und weiterhin einen Desktop mitliefert. Mir gefällt daran auch, dass er unnütze Effekte wie Transparenz über Bord wirft. Aber warum hat Microsoft den Start-Knopf entfernt? Auch die Desktop-Ansicht zwingt mich also zum Umdenken. Ob ich will oder nicht.

Wolfgang: Auf dem Tablet macht Windows 8 richtig Spaß – denn die meisten Anwendungen kann ich problemlos per Touchscreen bedienen. Bei DJ-Programmen wie Music Maker Jam oder Games wie Fruit Ninja spielt die Touch-Oberfläche ihr volles Potential aus. Die Texteingabe erfolgt über die virtuelle Tastatur, mit den Gesten bewege ich mich elegant durch die Menüs. Hier hat Microsoft eindeutig Boden zur Apple- und Google-Konkurrenz gut gemacht.

Auf Maus und Tastatur kann ich im Normalfall verzichten. Wenn es dann doch mal ans Eingemachte geht und ich in einer Excel-Tabelle herumwerkeln muss, nutze ich die Dockingstation.

Jan-Hendrik: Es gibt da eine Sache, die ich an Computern schon immer gehasst habe: Fettflecken auf dem Monitor. Das wird jetzt mit der neuen Touch-Bedienung zum System. Mit den Fingern auf dem Bildschirm herumzutätscheln zieht hässliche Spuren nach sich. Es gibt sinnvollere Aufgaben am PC als ständig den Bildschirm zu putzen.

Außerdem: Professionelle Programme wie Excel lassen sich per Fingergesten kaum bedienen. Um dafür auf den Desktop zu wechseln, brauche ich kein Windows 8.

Leistung und Funktionen

Wolfgang: Die Hardware-Anforderungen von Windows 8 sind ausgesprochen niedrig – da lohnt es sich, auch ältere Rechner mit dem neuen Betriebssystem auszurüsten. Software, die ich mit Windows 7 benutzt habe, läuft auch auf Windows 8. Schön: Windows 8 nervt mich nicht mehr mit Updates, sondern installiert die Aktualisierungen, wenn ich nicht am Rechner sitze.

Ganz schick finde ich Windows to go. Mit dieser Funktion kann ich Windows 8 von einem USB-Stick oder externen Laufwerk starten – so kann ich meinen Desktop einfach überall mit hinnehmen.

Jan-Hendrik: Ich muss zugeben, dass ich Windows to go für die interessanteste Funktion von Windows 8 halte. Den eigenen Rechner auf dem USB-Stick oder auf einer kleinen Festplatte immer dabei zu haben und überall anschließen zu können ist sehr praktisch. Aber warum ist diese nützliche Funktion offiziell nur der teuersten Windows-Version Enterprise vorbehalten?

Cloud

Wolfgang: Wie auch bei der Konkurrenz findet bei Windows 8 vieles in der so genannten Cloud statt. Daten und Einstellungen werden nicht mehr lokal auf dem Rechner gespeichert, sondern dezentral im Netz auf einem Server. Vorteil für mich: An jedem beliebigen Windows 8-PC finde ich nach dem Login alle meine Einstellungen und Favoriten wieder.

Per SkyDrive lege ich meine Daten im Netz ab, die so überall verfügbar sind.

Jan-Hendrik: Es wundert mich nicht, dass Microsoft meine Daten gern gebündelt auf seinen Servern speichern möchte. Neu ist das Konzept auch nicht. Das Bild von der langfingrigen Datenkrake kennt man schon von Google. Klar ist das praktisch, aber wer gern Herr seiner Daten bleibt, nutzt diese Funktion besser nicht. Dasselbe gilt für diejenigen, die gern verschiedene Cloud-Services nutzen. Neben Google sind das beispielsweise Dropbox, MediaFire oder iCloud.

Was jetzt: Soll ich umsteigen oder nicht?

Wolfgang: Keine Frage: Ja! Mobile Menschen werden mit der Touch-Oberfläche glücklich, der bekannte Desktop erfüllt hingegen auch komplexe Aufgaben. Mit Windows 8 bricht Microsoft mit althergebrachten Regeln. Dass dabei nicht alles 100-prozentig rund läuft und es an ein paar Ecken knirscht, war zu erwarten. Trotzdem zeigt Windows 8 die Zukunft der PC-Betriebssysteme. Ich da werde ich auf jeden Fall von Anfang an dabei sein.

Jan-Hendrik: Ich nutze neben Mac OS weiterhin Windows 7. Die neuen Funktionen von Windows 8 überzeugen mich nicht. Touch-Bedienung reicht mir auf dem Handy, der Microsoft-Cloud vertraue ich meine Daten nicht an und anstelle eines kastrierten Desktops greife ich lieber zum Original des Vorgängers. Einzig Windows to go wird mir fehlen. Für einen Umstieg ist das aber nicht genug.

Was halten Sie von Windows 8?

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